Hatten Sie heute auch schon eine Begegnung der „dritten“ Art? Sind ungewollt in einen Konflikt geraten, wurden beleidigt oder provoziert, ohne dass Sie sich eines Auslösers bewusst waren? Manchmal geraten wir in Situationen, die uns auf unangenehme Art überraschen und herausfordern. Ob beim Bahnfahren, in der Warteschlange vor der Supermarktkasse, beim Konzertbesuch oder bei der Parkplatzsuche – Begegnungen der dritten Art warten an vielen Ecken im öffentlichen Leben auf uns. Von der rüden Rempelei übers dreiste Vordrängeln bis hin zu verbalen Totalausfällen und drohenden Gesten erleben wir täglich Provokationen durch andere. Was dann hilft, um sich davon nicht den Tag verderben zu lassen, sind ein gutes Selbstmanagement und ein klarer Blick fürs Geschehen.

Ob wir uns provozieren lassen, Vorwürfe ignorieren oder parieren, in Diskussionen einsteigen oder den anderen ignorieren, hängt ganz von unserer Persönlichkeit und Stimmung ab. Nicht jeder Angriff muss mit Verteidigung pariert werden – mitunter ist es viel nervenschonender, ihn ins Leere laufen zu lassen. Da die wenigsten von uns aber schon mit der Mentalität eines Yogis auf die Welt gekommen sind, hilft es, sich ein gutes Selbstmanagement anzueignen:

Regel Nr. 1: Ruhe bewahren

Gehen Sie nicht auf den barschen Ton des oder der anderen ein, rempeln Sie nicht zurück, sondern atmen Sie lieber tief durch und machen Sie sich eines klar: Der rüde Umgang Ihres Gegenübers ist kein Angriff auf Ihre Persönlichkeit, sondern Ausdruck seiner Unzufriedenheit. Ihr Gegenüber nennt Sie „Arschloch“? Dann sind Sie eben im Universum dieses mies gelaunten Mitmenschen ein A… Sagen Sie sich: Na und? Das hat nichts mit mir als Mensch zu tun. Den Ärger des anderen lasse ich nicht zu meinem Ärger werden! Allzu oft folgt nämlich aus der erlebten Provokation ein Streit mit sich selbst. Dann üben wir uns in überzogener Selbstkritik, zermürben uns mit Selbstzweifeln, geben uns die Schuld an der Situation. Doch das hilft Ihnen nicht weiter, sondern vermiest Ihnen nur den Tag.

Regel Nr. 2: Kein Öl ins Feuer gießen

Treffen Sie auf einen Choleriker, gilt es umsichtig zu agieren. Er fühlt sich missachtet und sieht sein eigenes Recht in Gefahr. Dabei neigt er zu Überreaktionen. Um diese nicht weiter zu befeuern, sollten Sie auf keinen Fall mit ihm diskutieren. Gleichzeitig dürfen Sie ihn nicht kategorisch abblocken, das bringt ihn sonst noch mehr auf die Palme. Das bedeutet: Senden Sie wertfreie Ich-Botschaften wie „Ich sehe das anders. In meinen Augen ist das…“, ohne ihn zu verurteilen. Du-Botschaften sind tabu!

Regel Nr. 3: Es gibt immer mehrere Perspektiven

Im Streit ist es wie in der Aktmalerei – mehrere Menschen malen ein- und dasselbe Modell und dennoch ist auf jeder Leinwand etwas anderes zu sehen. Zum einen unterscheidet sich der Blickwinkel aufs Aktmodell, zum anderen verwirklicht jeder Maler seine eigene Interpretation und dichtet dabei manches hinzu. Das Katapult Richtung Konflikt ist der unbedingte Wille, anderen die eigene Meinung überstülpen zu wollen. Frei nach dem Motto: Ich weiß, dass ich Recht habe. Die anderen müssen es nur endlich auch kapieren… Lassen Sie lieber Toleranz walten! Akzeptieren Sie, dass es alternative Sichtweisen zu Ihrer gibt und entsprechend viele Handlungs- und Verhaltensweisen.

Mein Tipp für Heißblüter:

Fürs Selbstmanagement können Sie zu einem einfachen wie effektiven Hausmittel greifen: Tragen Sie ein unauffälliges Gummiband ums Handgelenk. Wenn Sie merken, dass die Wut über das Verhalten anderer in Ihnen aufsteigt, ziehen Sie kurz, aber kräftig am Gummiband und lassen es dann los. Der Schmerz, der durchs Schnipsen des Gummibands entsteht, sendet einen Impuls an Ihr Gehirn. Das unterbricht Ihren gewohnten Gedankengang, der Sie tiefer in die Wut und die daraus resultierende Überreaktion führen würde. Sagen Sie beim Loslassen des Gummibands innerlich „Stopp“ zu sich. Geben Sie sich stumm die Anweisung: „Ich gehe jetzt nicht in den üblichen Film, sondern bleibe ruhig.“Mit der Zeit wird das Zupfen am Gummi immer seltener nötig.

Stichworte: Selbsteinschätzung, Selbstwertgefühl, Persönlichkeitstraining

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