Interview mit Steve Kroeger
Ich hatte die große Freude, meinen Kollegen Steve Kroeger kurz vor seiner Antarktisexpedition und fünften Gipfelbesteigung interviewen zu können. Er ist ein unglaublich motivierender Mensch, mit einer großen Portion Humor und kann über sich selbst lachen. Aber vor allem steckt hinter dem Abenteuer 7 Summtis viel Tiefgang. Sein Buch kann ich sehr empfehlen. Das Interview wird Ihnen, denke ich, einen kleinen Eindruck geben.
Ein Interview von Ilona Lindenau Moderatorin und Kommunikationsexpertin mit
Steve Kroeger
Bestsellerautor („Die 7 Summits Strategie. Mit Leichtigkeit persönliche Gipfel erreichen")
Extremsportler
internationaler Speaker
Motivationsexperte
7 Summits ist ein feststehender Begriff aus der Bergsteigerszene. Er steht für die jeweils höchsten Berge aller sieben Kontinente.
Seit 2007 realisiert Steve Kroeger seinen Traum und besteigt die 7 SUMMITS. Vier Besteigungen liegen bereits hinter ihm, derzeit bereitet er sich auf seine diesjährige Antarktis-Expedition auf den Mount Vinson (4.892 m) vor, die am 13. Dezember startet. 2013 wird er sein Projekt mit der Besteigung des Mount Everest, dem höchsten Berg der Welt, beenden.
Ilona Lindenau:
Herr Kroeger, wie begann Ihre Leidenschaft fürs Bergsteigen? Sie haben erst relativ spät begonnen sich für Berge zu interessieren.
Steve Kroeger:
Ich komme aus Winsen/Luhe, das ist in der
Nähe von Hamburg. Berge kannte ich lange Zeit nur aus dem Fernsehen. Als Kind
gab es allerdings einen
Schlüsselmoment. Mein Vater fragte mich, als ich fünf Jahre alt war:
„Was möchtest du später einmal werden?" Da hatte ich zwei Bilder vor Augen,
ohne zu wissen, warum und woher sie kamen. Zum einen sah ich mich als
Erwachsenen Vorträge vor Pinguinen halten und zum anderen sah ich einen
schneebedeckten Gipfel. Bis 2007 habe ich niemals einen Berg auch nur aus der
Nähe gesehen, geschweige denn einen bestiegen. Und 2007 dachte ich: Jetzt ist
es soweit.
I.L.
Was war der Anlass, das Flachland in Norddeutschland zu verlassen?
St. K.
Mit dreißig Jahren habe ich das erste Mal den Kilimandscharo in Afrika bestiegen. Die Idee entstand, weil ich auf der Suche nach einem übergeordneten Trainingsziel für drei Klienten war, die ich zu dieser Zeit als Personal Trainer betreute. Alle drei waren und sind erfolgreiche Unternehmer, die zwar den Gipfel ihrer Karriere erreicht hatten, aber einen enormen gesundheitlichen Preis dafür bezahlen mussten. Als ihr Personal Trainer wollte ich ihnen vermitteln, dass man große Ziele auch mit Gelassenheit und Leichtigkeit erreichen kann. Außerdem wollte ich, dass sie mehr Spaß und Lust am Training bekommen. Dass sie gleichzeitig fitter werden, war dabei eher ein erwünschter Nebeneffekt. Dieses neue Ziel sollte sie herausfordern, motivieren, anspornen und ganz nebenbei auch ihrer Gesundheit nutzen. Und so kam mir die Idee, mit diesen drei Klienten den Kilimandscharo in Tansania zu besteigen.
IL.
Sie sind also zusammen mit Ihren Klienten zum Kilimandscharo gefahren?
St. K.
Riiiiiiiiichtich!!! Die drei fanden die Idee gut und wir bereiteten uns gemeinsam vor. Nach sechs Monaten war es soweit. Als wir vier auf dem Gipfel standen, war das eine unglaubliche Erfahrung. Ich begriff, dass es Orte und Momente gibt, die die Kraft haben, das eigene Leben entscheidend zu verändern. Als ich das spürte, wusste ich: Davon will mich mehr. Als ich wieder in Europa war, lief im Fernsehen eine sechstägige Dokumentation über den Mount Everest. Und ich stellte mir die Frage: Kann ich das auch? Natürlich hatte ich in dem Moment keine Antwort darauf, aber ich wusste sehr deutlich, dass ich es herausfinden wollte. In den kommenden 28 Tagen traf ich eine Entscheidung, die die nächsten sieben Jahre meines Lebens bestimmen sollte.
I.L.
Wie sind Sie dann weiter vorgegangen?
St. K.
Ich habe diese Entscheidung aus einem reinen Bauchgefühl heraus getroffen. Erst dann fragte ich mich: Wie bereite ich mich am besten auf diese große Herausforderung, den Mount Everest zu besteigen, vor? Bei dieser Überlegung bin ich auf die 7 SUMMITS gestoßen und besteige also seit 2007 jedes Jahr den jeweils höchsten Berg eines Kontinents. Es ist jedoch keine beliebige Idee, der ich folge. Es ist mir wichtig, das zu betonen. Ich habe die Entscheidung für die 7 SUMMITS getroffen, weil ich diese Entscheidung treffen musste. Für mich. Ich wollte lernen, wie Motivation an unserer körperlichen und mentalen Leistungsgrenze funktioniert. Wie weit kann ich mit meinem Körper gehen und wo liegen die Grenzen für meine mentale Leistungsfähigkeit? Das wollte ich herausfinden. Ich spreche hier also nicht von normaler Motivation. Ich stehe 365 Tage im Jahr morgens auf und dies sieben Jahre lang, um dieses Projekt zu realisieren. Es ist ein siebenjähriger Selbstversuch mit hohem Risiko und ohne Erfolgsgarantie.
I.L.
Sie haben mittlerweile vier Gipfel bestiegen und stehen kurz vor der Besteigung Ihres fünften Gipfels, dem Mount Vinson in der Antarktis. Was hat sich verändert in den vier Jahren?
St.K.
Es hat sich Entscheidendes verändert! Das ist schließlich der Grund der ganzen Übung. Es geht mir um persönliche Weiterentwicklung und Lernprozesse. Meine Erfahrungen während der vier vergangenen Besteigungen und alles, was ich über Motivation und Persönlichkeitsentwicklung gelernt habe, habe ich in meinem aktuellen Bestseller „Die 7 SUMMITS Strategie" dokumentiert. Internationale Unternehmen buchen mich, um sich von meinen Erfahrungen inspirieren zu lassen. Es ist mir wichtig, das, was ich erfahren und lernen durfte, mit anderen zu teilen. Mir geht darum anderen Menschen Mut zu machen, sie zu inspirieren. Am Anfang des Projektes standen die Besteigung und das Erreichen der Gipfel im Vordergrund. Das war es, worum es ging. Bei der dritten Besteigung des höchsten Gipfels Südamerikas, dem Aconcagua, kam es zu einer dramatischen Wende. Diese Tour hat mich in einer ganz neuen Dimension gefordert. Der Berg ist knapp 7000 Meter hoch. Ehrlich gesagt, hatte ich keine Ahnung, wie hoch das ist. Ich bin mit 12 internationalen Bergsteigern gestartet und nur vier sind oben angekommen. Als ich an dem Ort war, auf den ich drei Jahre lang hintrainiert hatte, hatte ich keinerlei Gefühl von Glück oder Erfüllung, es geschafft zu haben. Nicht eine einzige Sekunde lang! Und das hat sich bis heute nicht geändert.
I.L.
Wie erklären Sie sich das?
St. K.
Ich war dort, wo ich immer hinwollte. Dafür hatte ich unheimlich viel investiert und mich 16 lange Tage am Berg gequält. Da oben wurde mir klar, dass, sollte mir dort etwas passieren, mich keiner wieder runterholen würde. Ich stellte mir die Frage: Wofür genau riskiere ich eigentlich mein Leben? Rückblickend wurde mir bewusst, dass ich während dieser Besteigung definitiv meine Grenzen überschritten hatte. Grenzen zu erweitern ist okay, Grenzen zu überschreiten kann gefährlich werden. Dieses Erlebnis hat meine Sichtweise sehr verändert und ich habe erkannt, dass eine solche Grenzüberschreitung kein zweites Mal passieren darf.
I.L.
Wenn der Gipfel also nicht mehr das Ziel oder die Motivation ist, worum geht es Ihnen dann? Sie haben ja noch drei Gipfel vor sich.
St. K.:
Ich habe verstanden, dass es vielmehr um das geht, was ich auf dem Weg zum Gipfel und zurück lernen kann. Nach der Aconcagua-Besteigung hatte der Satz „der Weg ist das Ziel" auf einmal eine neue Bedeutung für mich, ich habe ihn nach diesem Erlebnis zum ersten Mal in seiner Wahrheit und Tiefe verstanden.
Il: Danke Steve Kroeger! Viel Glück und Erfolg für den nächsten Gipfel am 13.12.2011.
Links:
Steve Kroeger widmet Ihnen eine Seite in der nächsten Ausgabe seines Bestseller „Die 7 SUMMITS Strategie". More details:
coyright: Ilona Lindenau Moderatorin und Kommunikationsexpertin und Steve Kroeger Motivationsexperte
